Pfeile aus Schößlingen

Allgemein

Anders als Bambus handelt es sich bei den Schößlingen um Holz, wobei sie auch eine Gemeinsamkeit mit dem Gras haben: sie weisen ebenfalls einen mehr oder weniger starken Markkanal auf, der durch Nodien in Segmente unterteilt ist. Der Vorzug ist dabei der röhrenförmige Wuchs, der gegenüber den geläufigen Schäften aus Brettware deutlich stabiler ist.
Dazu kommt die natürliche Verjüngung der Schößlinge (Taper) über die gesamte Länge, die den Pfeil deutlich spinetoleranter macht.

Ich habe bisher die 1-2-jährigen Schößlinge mehrerer Hartriegel – Arten (Cornales), dem gemeinen und wolligen Schneeball (Viburnum opulus und lantana) vom Jasmin (Jasminum L.) und Hasel (Corylus) verarbeitet. Je nach gewünschtem Schaftgewicht kann zwischen diesen Arten variiert werden.

Bezüglich der Bearbeitungstechnik von Spitze und Nocken gelten die Vorschläge, die ich bei der Bambusverarbeitung angeregt habe. Der Unterschied ist hier, dass Schößlinge weit intensiver beschliffen werden können, da wir es mit einer mehr oder weniger homogenen Holzstruktur zu tun haben, während Bambus seine „Kraftfasern“ vor allem im äußeren Radius anlegt und durch eine wachsartige Schicht schützt.

Auswahl/ Ernte

Bei der Auswahl der Schößlinge achte ich auf folgende Kriterien:
– Geradheit; das erspart viel Arbeit bei der Begradigung und trägt zu deren Erhalt bei
– Möglichst wenig Knoten/ Scheuerstellen
– Keine am Strauch vertrocknete Schößlinge verwenden
– Ausreichende Dimensionen ernten; es gehen min. 10-15 % vom Durchmesser durch Schälen und Trocknen verloren. In der Länge ist es gut, etwas variieren zu können, welchen Abschnitt du verwenden möchtest
– Die Pflanze bei der Ernte nicht schädigen; Erntezeit Winter
– Schößlinge bündeln und 20-30 Tage trocknen (Außenbereich)

Schäfte schälen und richten

Mir erscheint es nicht ratsam, die Stöcke zu früh zu schälen. Zwar wird dadurch die Trocknung stark beschleunigt, aber auch die Gefahr der Rissbildung gerade auch an den Nodien erhöht. Gute Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich die Schäfte in Schale grob richte und dann noch ein paar Wochen liegen lasse, bis ich sie mit einem Messer schäle bzw. abschabe. Zuvor schneide ich die Blattansätze möglichst bündig zum Nodium ab (scharfe Astschere mit gleitendem Schnitt).
Dann werden die Schäfte direkt nochmals begradigt, wobei ich nur für hartnäckige Fälle einen Bunsenbrenner einsetze.
Vorteilhaft ist die Verwendung eines Pfeilbegradigers, der einfach selbst hergestellt werden kann.

Festlegen der Länge und Lage

Spätestens jetzt muß ich mich auf eine Schaftlänge festlegen und säge den gewünschten Abschnitt ab, wobei es vorteilhaft ist, ein Nodium direkt vor der Nocke liegen zu haben, weil das die Gefahr, von der Sehne gespalten zu werden, deutlich vermindert. Falls dies nicht möglich ist, kann auch ein Holzdübel in den Markstrahl gesteckt und verklebt werden.
Doch vor dem Einschnitt der Nocke sollte auf einem Spinetester in rotierender Meßweise ermittelt werden, welche Seite die größte Steifigkeit aufweist und somit die Lage für Nocke und Leitfeder determiniert. Außerdem bekomme ich durch die Spinemessung Information über Rundlauf etc.
Der Spine sollte in dieser Phase noch deutlich (5-10 lbs) über dem endgültigen Wert liegen.

Spinen und Spitzenanpassung

Auf einer geraden Unterlage oder noch besser in einem V-Profil aus Alu, das auf einem Bälkchen befestigt wurde, schleife ich nun den Schaft zuerst an den Nodien herunter, die naturgemäß immer am Weitesten überstehen. Aber Vorsicht: wenn hier des Guten zuviel gemacht wird, entseht eine Sollbruchstelle.
Nachdem ich mich für eine Spitze entschieden habe, stelle ich die Passung her, noch bevor der restliche Schaft Fertigmaß hat. Es sollte dabei auf eine zentrale Lage des Markstrahls geachtet werden durch Beschleifen der stärkeren Wandungen.
Es ist generell nicht der wichtigste Punkt, dass der Schaft über die ganze Länge perfekt rund gearbeitet ist, wichtiger ist ein gewisses Gleichmaß.
Da die hier aufgezählten Schößlinge allesamt härter als die meißten für Schaftdübel verwendeten Hölzer wie Fichte, Kiefer oder Zeder sind, sollte der Durchmesser für die Spitzenanbringung gut passen.
Ein Schaftformer kann verwendet werden, allerdings wird schnell erkennbar, dass sich das harte Material nicht so stark verdichten lässt. Auch ein Gewinde – Vorschneider ist sinnvoll.
Ich empfehle für Schäfte aus Schößlingen generell leichte Spitzengewichte, 70-80gn genügen meißt für einen ausreichenden FOC-Wert. Die Konische Wuchsform bedingt automatisch eine Vorlast von 10-15%.

Das Thema der immer wieder erforderlichen Begradigung

Nachdem ich die ersten Jahre Schäfte aus Schößlingen geschossen hatte, versuchte ich, dem lästigen Umstand der immer wieder erforderlichen Begradigung zu begegnen. In verschiedenen Anwendungen im Holzbereich (Möbelbau) wird Holz gedämpft, um es ruhiger zu machen. Also kochte ich einige Schäfte aus und stellte sie in Vergleich zu ungedämpften Schäften.
Nach meiner Erfahrung eignet sich diese Methode nicht besonders, da die guten Eigenschaften wie Härte und Formstabilität abnehmen. Das kenne ich vom Biegen unter Dampf bei Bogenholz nicht in dem Maße und hängt wohl mit den unterschiedlichen Ligninarten der Hölzer zusammen. Trockene Hitze dagegen scheint nicht den selben Effekt auf diese Lignine zu haben, sofern man es nicht übertreibt.
Derzeit habe ich einen Versuch mit dem Bügeleisen am Laufen, finde die ersten Ergebnisse vielversprechend, aber es ist für eine abschließende Bewertung noch zu früh.
Zumindest einen großen Vorteil erkenne ich jetzt schon. Wird der Schaft vor dem Bügeln geölt, zieht das Öl deutlich bessser ein und trocknet schneller.
Hat der Pfeil mal ein paar Schuß hinter sich, wird er immer formstabiler. Auf jeden Fall sollte man beim Pfeilziehen noch sorgfältiger vorgehen als bei anderen Pfeilen.

Fazit

Schäfte aus Schößlingen herzustellen erfordert Geduld, Erfahrung und handwerkliches Geschick. Natürlich ist es einfacher und bedeutend schneller, einen Pfeil aus Fertigkomponenten zu bauen. Allerdings ist der auch bedeutend schneller wieder zerlegt. Vor allem für Schützen, die das Roving lieben, sind Hartriegel und Co. echte Alternativen zu Karbon- oder Alupfeilen. Authentischer sind sie allemal, um die Ecke gewachsen und wenn es richtig gemacht wird nachhaltig.

Diese und andere Techniken kannst du in meinen Kursen erlernen und natürlich auch die Materialien bei mir beziehen…

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